DAS PROJEKT PALÄONTOLOGIE A16
 
ARCHIV 2010

Projektbeschreibung

Die Paläontologie A16 (PAL A16) in Porrrentruy ist ein Pilotprojekt im Bereich der Paläontologie in der Schweiz und in Europa. Bei der Tatsache, dass ein Schweizer Kanton paläontologische Arbeiten auf einem zukünftigen Autobahnteilstück offiziel unterstützt handelt es sich um ein Novum. Das im Februar 2000 lancierte Projekt hat zum Ziel die Wichtigkeit der jurassichen Kulturgüter aufzuzeigen. Die Arbeit der PAL A16 wird durch das Bundesamt für Strassen (ASTRA) und den Kanton Jura finanziert. Die PAL A16 ist dem Amt für Kultur unterstellt und wird teilweise durch die archäologische Sektion verwaltet.

Die Arbeit der PAL A16 besteht in erster Linie darin, alle paläontologischen Objekte regionaler und/oder nationaler Bedeutung zu bergen. Die Feldarbeit konzentriert sich dabei entlang des Autobahntrassees der A16 (Transjurane). Die Gesamtlänge der bearbeiteten oder in Zukunft zu bearbeiteden Teilstücke des Trassees beträgt 24.675 km. Die bedeutenden Zonen sind: Sektion 1 (Boncourt, Zoll-Plattform), Sektion 2 (Boncourt - Porrentruy West), Sektion 3 (Porrentruy West - Porrentruy Ost), Sektion 7 (Delémont West - Delémont Ost) und die Sektion 8 (Delémont Ost - Halbanschluss Choindez).

Das Projekt profitiert von den laufenden Tiefbauarbeiten um das anstehende Gestein beobachten und die Fossilien bergen und konservieren zu können. So wird ermöglicht, dass die erhaltenswerten paläontologischen Funde und die wichtigen geologischen Daten wissenschaftlich korrekt gesammelt und archiviert werden.

 
Projektziel

Die PAL A16 hat zur Hauptaufgabe, all diese Elemente (Fossilien und geologische Daten) der paläontologischen Forschung und künftigen Generationen zur Verfügung zu stellen. Parallel zur Grabungstätigkeit auf der zukünftigen Trasse der A16 und der Dokumentation dieser Funde sichert das kantonale Projekt paléojura deren Inwertsetzung und Erhalt für die Nachwelt. Paléojura soll das touristische, wissenschaftliche und pädagogische Potential der jurassischen Geologie und Paläontologie nutzen, ausbauen und gleichzeitig eine zukünftige Empfangsinfrastruktur für die Öffentlichkeit in Pruntrut und auf den Fundstellen um Courtedoux entwickeln. >>>>projekt paléojura

 
Arbeitsmethoden   

Die Arbeitsmethoden sind den archäologischen ähnlich. Sie sind in mehrere Arbeitsetappen unterteilt: Prospektion, Sondierung, methodische Ausgrabungen, Archivierung (Lagerung der Funde und Aufnahme in eine Datenbank), Präparation der Funde (Behandlung der Fossilien, um Studien zu ermöglichen), Dokumentation (wissenschaftliche Identifikation der Funde), öffentliche Ausstellung der Ergebnisse, wissenschaftliche Zusammenarbeit.

 
Erste Bilanz

Die Ausgrabungen der PAL A16 können in drei grossen stratigrafischen Einheiten zusammen gefasst werden: Späte Jurazeit (Karbonatablagerungen), Oligozän (Juramolasse: abwechselnd kontinentale und marine Ablagerungen) und Pleistozän (eiszeitliche Lössablagerungen).

Annähernd 305'000 Fossilien – davon über 5'000 Dinosaurierspuren – wurden bis heute freigelegt:

  • Späte Jurazeit: Pflanzenreste, Mikrofossilien, eine grosse Anzahl von wirbellosen Meerestieren (Muscheln, Ammoniten, Seeigel, etc.), Krokodil- und Fischreste, mehrere Dutzend Schildkrötenpanzer, Spuren und Fährten von Sauropoden und Theropoden

  • Oligozän : fossiles Holz, fossile Blätter, Mikrofossilien, wirbellose Meerestiere, Schildkrötenreste, Säugetierknochen

  • Pleistozän : Gastropoden (Bauchfüsser), Kleinsäuger und Reste von grossen Säugetieren (Wollmammut, Wollrhinozeros, Steppenbison, etc.)

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 DIE LANGE TRADITION DER PALÄONTOLOGIE IM JURA 

«Mit dem Hammer in der Hand, gern zu Berge, einem leichten Rucksack und einem frischen Geist» das war nach Jules Thurmann die Voraussetzung, um die Juralandschaft zu entdecken und zu verstehen.

 
Jules Thurmann (1804-1855)

Jules Thurmann (1804-1855) Geologe und Botaniker aus Neuf Brislach (Elsass) besuchte das Collège in Pruntrut und absolvierte anschliessend das Geologiestudium an der Königlichen Bergbauschule in Paris (Ecole royale des Mines de Paris).
Von den zahlreichen Studien, die er veröffentlichte, ist die LETHEA BRUNTRUTANA OU ÉTUDES PALÉONTOLOGIQUE ET STRATIGRAPHIQUE SUR LE JURA BERNOIS (fertiggestellt und veröffentlicht nach seinem Tod durch A. Etallon) seine bekannteste Publikation. In diesem Werk zeigt er stratigraphische und paläontologische Untersuchungen, die heute noch – 150 Jahre später - ihre Qualität und Aktualität haben.
Seine Beteiligung an der kulturellen und wissenschaftlichen Entwicklung des Juras realisierte er durch die Inventarisierung und Klassifikation der Museumssammlung des Musée des Sciences naturelles und durch die Gründung der Sociéte jurassienne d’Emulation 1847. In Erinnerung seines Wissens und seiner Passion für die Naturwissenschaften haben ihm vielen seiner Kollegen Fossilien gewidmet.

Frédéric-Louis Koby (1852-1930)

Frédéric-Louis Koby (1852-1930) war der Nachfolger von Thurmann. Seine paläontologische Passion bewies er mit seinem Wissen über Polypen (Korallen). Zu dieser Zeit beschäftigte er sich weltweit mit der Ökologie und Bestimmung von Korallen. Seine Studien führten ihn nach Russland, Frankreich und Portugal. Während seiner als Rektor und Lehrer tätigen Zeit am Gymnasium von Porrentruy vergrösserte er auch die Museumssammlung. 

Thurmann und Koby waren die ersten grossen Paläontologen im Jura. Doch auch viele andere Wissenschafter beschäftigten sich mit dem Jura am Ende des 19. Jahrhunderts (Rollier und Greppin) und zu Beginn des 20.Jahrhunderts (Schlaich, Buxtorf und Rothpletz). Die Geologie und Paläontologie hat somit im Jura eine lange Tradition und wird nun auch mit dem Projekt Transjurane der Paläontologie A16 weitergeführt.

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